Seit Januar 2026 kostet das Deutschlandticket 63 Euro im Monat. Innerhalb von drei Jahren hat sich der Preis damit von ursprünglich 49 Euro um fast 30 Prozent erhöht. Für viele Pendler und Gelegenheitsfahrer stellt sich daher eine berechtigte Frage: Lohnt sich das Ticket überhaupt noch? Die Antwort hängt von deiner individuellen Situation ab. Während das Ticket für tägliche Berufspendler weiterhin ein Schnäppchen ist, müssen Gelegenheitsfahrer genauer rechnen als noch vor einem Jahr. In diesem Artikel erfährst du, was das Deutschlandticket 2026 bietet, wer am meisten profitiert, wie du mit dem Jobticket oder der Pendlerpauschale zusätzlich sparst und wann Einzelfahrkarten die günstigere Wahl sind.
Was hat sich 2026 geändert?
Die wichtigste Änderung ist der Preis. Zum 1. Januar 2026 stieg der monatliche Betrag von 58 auf 63 Euro. Die Erhöhung war nötig, weil die Verkehrsunternehmen mit deutlich gestiegenen Kosten für Personal, Energie und den laufenden Betrieb zu kämpfen haben. Der Bund und die Länder stellen zwar jeweils 1,5 Milliarden Euro pro Jahr bereit, doch das reicht nicht aus, um die Einnahmeausfälle vollständig zu decken.
Immerhin: Die Finanzierung steht bis 2030. Der Bundestag hat im November 2025 die elfte Änderung des Regionalisierungsgesetzes beschlossen, der Bundesrat stimmte kurz darauf zu. Das Deutschlandticket wird also nicht plötzlich abgeschafft. Ab 2027 soll zudem ein Preisindex eingeführt werden, der Kosten für Personal und Energie abbildet. Weitere Preiserhöhungen sind damit wahrscheinlich, aber zumindest transparent und nachvollziehbar.
An den Leistungen selbst hat sich nichts geändert. Das Ticket gilt weiterhin bundesweit in allen Bussen, Straßenbahnen, S-Bahnen, U-Bahnen und Regionalzügen (RE, RB, IRE). Nicht enthalten sind Fernverkehrszüge wie ICE, IC und EC. Auch Flixtrain und Flixbus akzeptieren das Ticket nicht. Es ist personengebunden, nicht übertragbar und gilt als monatliches Abo, das bis zum 10. des Vormonats gekündigt werden kann. Kinder unter sechs Jahren fahren weiterhin kostenlos mit.

Für wen lohnt sich das Deutschlandticket?
Rund 14 Millionen Menschen nutzen das Deutschlandticket aktuell. Doch nicht für jeden ist es die beste Wahl. Ob sich der Kauf lohnt, hängt vor allem davon ab, wie oft du den ÖPNV nutzt.
Tägliche Pendler profitieren am stärksten. Wer an 20 Arbeitstagen im Monat hin und zurück fährt, kommt auf 40 Fahrten. In den meisten Städten kostet eine Einzelfahrt zwischen 2,50 und 4 Euro. Schon ab etwa 16 bis 20 Fahrten pro Monat schlägt das Deutschlandticket die Einzelfahrkarte. Hinzu kommt der Vorteil, dass du am Wochenende und in der Freizeit ohne zusätzliche Kosten fahren kannst: Spontane Ausflüge, Besuche bei Freunden oder einfach eine Fahrt quer durch die Stadt sind inklusive.
Studenten bekommen das Ticket in vielen Bundesländern günstiger. Der ermäßigte Preis liegt bei rund 37,80 Euro pro Monat. In Kombination mit der ohnehin hohen ÖPNV-Nutzung von Studierenden ist das fast immer ein gutes Geschäft. Zumal viele Hochschulen das Semesterticket durch das Deutschlandticket ersetzt haben, was den Aktionsradius massiv erweitert.
Gelegenheitsfahrer, die nur ein- oder zweimal pro Woche den ÖPNV nutzen, sollten genauer rechnen. Bei acht bis zehn Fahrten im Monat liegst du mit Einzelfahrkarten in vielen Städten deutlich unter 63 Euro. Auch 4-Fahrten-Karten oder Tagestickets können günstiger sein. Die Faustregel: Wenn du weniger als 16 Fahrten pro Monat machst, prüfe die Alternativen in deinem Verkehrsverbund.
Familien stehen vor einer besonderen Rechnung. Da das Deutschlandticket personengebunden ist, braucht jedes Familienmitglied ab sechs Jahren ein eigenes Ticket. Bei 63 Euro pro Person und Monat kommen für eine vierköpfige Familie schnell 189 bis 252 Euro zusammen. Im Vergleich dazu können regionale Familientickets oder ein Zweitwagen unter Umständen günstiger sein. Prüfe in deinem Verkehrsverbund, ob es günstigere Gruppenangebote oder Mitnahmeregelungen gibt, die für deinen Alltag besser passen.
Kostenvergleich: Deutschlandticket vs. Auto
Die monatlichen Kosten eines Autos werden häufig unterschätzt. Viele rechnen nur mit dem Sprit, vergessen aber Versicherung, Steuer, Wartung und vor allem den Wertverlust. Laut ADAC-Autokostenrechnung liegen die Vollkosten selbst bei einem günstigen Kleinwagen bei rund 35 Cent pro Kilometer. Ein Mittelklassewagen kommt schnell auf 45 bis 55 Cent.
Rechenbeispiel für eine typische Pendlerstrecke: Wer täglich 30 Kilometer zur Arbeit pendelt (hin und zurück), legt im Monat rund 600 Kilometer zurück. Bei 40 Cent pro Kilometer sind das 240 Euro an reinen Autokosten, wohlgemerkt ohne Parkgebühren. Das Deutschlandticket spart in diesem Fall über 170 Euro pro Monat. Auf das Jahr gerechnet ergibt das eine Ersparnis von mehr als 2.000 Euro.
Selbst bei kürzeren Strecken von zehn Kilometern pro Tag (200 km/Monat) ergeben sich Autokosten von rund 80 Euro. Mit dem Deutschlandticket liegst du bei 63 Euro und hast zusätzlich die Freizeit-Fahrten inklusive.
Natürlich hat das Auto Vorteile, die sich nicht in Euro messen lassen: Flexibilität, Komfort und Unabhängigkeit von Fahrplänen. Doch rein finanziell betrachtet ist das Deutschlandticket für die meisten Berufspendler die günstigere Option. Besonders in Großstädten, wo Parkgebühren und Staus hinzukommen. Wer auf dem Land lebt und auf das Auto angewiesen ist, kann das Deutschlandticket trotzdem als Ergänzung nutzen: für Fahrten in die nächste Stadt, Wochenendausflüge oder wenn das Auto in der Werkstatt steht.

Das Jobticket: So zahlst du noch weniger
Eine der besten Möglichkeiten, beim Deutschlandticket zu sparen, ist die Jobticket-Variante. Wenn dein Arbeitgeber das Ticket mit mindestens 25 Prozent bezuschusst, greift automatisch ein zusätzlicher Rabatt von fünf Prozent auf den regulären Preis. Das reduziert die Kosten erheblich.
Konkret sieht die Rechnung so aus: Der reguläre Preis beträgt 63 Euro. Mit dem fünfprozentigen Firmenrabatt sinkt er auf 59,85 Euro. Davon übernimmt dein Arbeitgeber mindestens 25 Prozent, also 15,75 Euro. Dein Eigenanteil liegt damit bei maximal 44,10 Euro pro Monat. Manche Arbeitgeber gehen noch weiter und übernehmen 50 Prozent oder mehr. In einigen Unternehmen ist das Jobticket sogar komplett kostenlos.
Der große Vorteil: Der Arbeitgeberzuschuss ist steuer- und sozialversicherungsfrei. Das gilt auch für private Fahrten. Für Unternehmen sind die Kosten wiederum als Betriebsausgabe absetzbar. Es lohnt sich also, das Thema bei der Personalabteilung oder direkt beim Chef anzusprechen. Laut Bundesregierung nutzen bereits zahlreiche Unternehmen diese Möglichkeit als Benefit für ihre Mitarbeitenden.
Wenn dein Arbeitgeber das Jobticket noch nicht anbietet, kann ein Hinweis auf die steuerlichen Vorteile oft den Anstoß geben. Die Einrichtung ist für Unternehmen unkompliziert und die Verwaltung über die Deutsche Bahn oder regionale Verkehrsverbünde gut organisiert.
Pendlerpauschale: Auch mit dem Deutschlandticket absetzbar
Was viele nicht wissen: Auch wenn du den ÖPNV nutzt, kannst du die Pendlerpauschale in der Steuererklärung geltend machen. Seit 2026 beträgt sie 38 Cent pro Entfernungskilometer, und zwar ab dem ersten Kilometer. Das hat der Gesetzgeber im Rahmen des neuen Koalitionsvertrags beschlossen.
Bei einer einfachen Strecke von 20 Kilometern und 220 Arbeitstagen ergibt sich ein absetzbarer Betrag von 1.672 Euro. Je nach persönlichem Steuersatz bekommst du davon einen Teil zurück. Das reduziert die effektiven Kosten des Deutschlandtickets nochmals spürbar.
Wichtig: Abgesetzt wird die Pendlerpauschale, nicht die tatsächlichen Ticketkosten. Du profitierst also unabhängig davon, ob du 63 Euro oder dank Jobticket nur 44 Euro zahlst. Bei besonders langen Arbeitswegen kann die Rückerstattung über die Steuererklärung den Großteil der Ticketkosten ausgleichen. Und noch ein Hinweis: Wenn deine tatsächlichen Fahrtkosten höher sind als die Pendlerpauschale, kannst du in der Steuererklärung die höheren Kosten ansetzen. Bewahre in diesem Fall deine Ticketbelege auf.
Grenzüberschreitend fahren: Ein oft übersehener Bonus
Ein Vorteil des Deutschlandtickets, der in der Diskussion um den Preis häufig untergeht: Das Ticket gilt auf ausgewählten Strecken auch über die Grenze hinaus. Du kannst damit nach Salzburg, Basel, Venlo und in einige weitere Grenzstädte fahren. Auf bestimmten Verbindungen nach Österreich, Frankreich, Polen, Tschechien und Dänemark ist das Ticket ebenfalls gültig.
Für Bewohner von Grenzregionen ist das ein echtes Plus. Wer regelmäßig nach Salzburg oder Basel pendelt, spart sich separate Tickets und profitiert von der Flexibilität. Auch für Tagesausflüge in die Nachbarländer ist das ein netter Bonus, den man bei der Kosten-Nutzen-Rechnung nicht vergessen sollte. In einigen Regionen, etwa in Nordrhein-Westfalen, dürfen Hunde kostenlos mitfahren. In anderen Bundesländern gelten unterschiedliche Mitnahmeregelungen, etwa für Fahrräder. Es lohnt sich, die regionalen Extras zu kennen, denn sie erhöhen den Wert des Tickets zusätzlich.
Fazit
Das Deutschlandticket für 63 Euro ist teurer als zu Beginn, aber für die meisten regelmäßigen ÖPNV-Nutzer nach wie vor ein gutes Angebot. Tägliche Pendler sparen gegenüber Einzelfahrkarten und erst recht gegenüber dem Auto. Wer das Jobticket nutzen kann, drückt den monatlichen Eigenanteil auf unter 45 Euro. Und die Verbraucherzentrale rät: Rechne deine individuelle Situation einmal konkret durch, bevor du kündigst.
Für Gelegenheitsfahrer mit weniger als 16 Fahrten im Monat lohnt sich ein Blick auf Einzelfahrkarten und Tagestickets. Alle anderen können beruhigt weiterfahren. Das Deutschlandticket bleibt das einfachste und flexibelste Nahverkehrsangebot, das es in Deutschland je gab. Ein Ticket, ein Preis, das ganze Land: Dieses Prinzip hat der deutsche Nahverkehr dringend gebraucht.





